Wie tot sind Hirntote?
Wo? Benrather Straße 32 a Hilden
Wann? 2011-12-08: 21:00:00
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Oder: Sollte die Hirntod-Debatte wiederbelebt werden?
Neuroimaging und der Blick in die Gehirne von bewusstlosen und sterbenden Patienten
Vortrag von Dr. phil. Dipl. - Phys. Sabine Müller
Die Fetstellung des Hirntodes gilt in Deutschland als Bedingung für die straffreie Entnahme lebensnotwendiger unpaariger innerer Organe. Was aber ist Hirntod? Wie stellt man ihn fest? Wie sicher ist die Diagnose? Und kann das moderne Neuroimaging z.B. SPECT, die Diagnose verbessern?
Der Begriff des Hirntodes (ursprünglich irreversibles Koma) wurde 1968 aus zwei Gründen mit dem Tod des Menschen gleichgesetzt: erstens um die Belastung durch die intensivmedizinische Versorgung von Patienten, deren Herz noch schlägt, die aber nicht mehr selbständig atmen und dauerhaft bewustloss zu schein seinen, zu reduzieren. Zweitens um Organe zur Transplantation aus diesen Patienten entnehmen zu können, ohne eine Mordanklage befürchten zu müssen.
Ist aber diese Gleichsetzune auch naturwissenschaftlich richtig oder eine bloß zweckgebunden Setzung?
Einige künstlich beatmetete Hirntote zeigen im Gegensatz zu Leichen noch eine körperliche Integration: Ihr Herz schlägt autonom, ihr Stoffwechsel funktioniert selbständig, sie regulieren selbständig ihre Körpertemperatur, bekämpfen Infektionen und Verletzungen, reagieren auf Schmerzreize mit Katecholamin - und Blutdruckanstieg, produzieren Exkremente und scheiden diese aus. Hirntote Kinder wachsen; hirntote Schwangere können die Schwangerschaft über Monate aufrecht erhalten und von gesunden Kindern entbunden werden. Der Hirntod kann zu einem chronischen Zustand werden. Man weiß bisher recht wenig über das Ausmaß der Gewebezerstörung und des Funktionsausfalls bei hirntoten Patienten. Die übliche klinische Hirntoddiagnostik führt häufig zu anderen Ergebnissen als eine Diagnostik mit Radionuklid- Methoden wie SPECT oder mit Kontrastangiographie. Über die richtige Diagnostik herrscht international Uneinigkeit. Die American Academy of Neurology hat 2010 der von ihr selbst 1995 vorgeschriebenen Hirntod - Diagnostik eine fehlende wissenschaftliche Fundierung bescheinigt.
Ende 2008 hat der US-amerikanische President's Council on Bioethics eingeräumt, dass neue empirische Erkenntnisse die bisherige Begründung für die Gleichsetzung von Hirntod und Tod widerlegen. Das müsste gravierende Konsequenzen für die Organentnahme aus hirntoten Patienten haben. Um diese abzuwenden, hat der President's Council on Bioethics eine Neudefinition des Lebens vorgeschlagen, nach der Hirntote weiterhin als tot gelten. Viele amerikanische Medizinethiker fordern dagegen, die (Selbst-)täuschung über den Hirntod aufzugeben und stattdessen die Tot-Spender-Regel abzuschaffen,d.h. die Regel, nach der innere unpaarige Organe nur aus Toten entnommen werden. Einige Medizinethiker fordern dagegen ein Verbot von Organentnahmen aus hirntoten Patienten und die Beschränkung auf Tote nach irreversiblem Herzkreislaufstillstand.
Die Diskussion über den Hirntod ist inzwischen auch in Deutschland angekommen und wird voraussichtlich bei der derzeit diskutierten Änderung des Transplantationsgesetzes eine Rolle spielen.
Kosten: € 3,00 / ermäßigt € 1,50
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